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37:20

Posted by maren on June 15, 2008 in Neuseeland |

Das Ergebnis ist eindeutig: mit einem klaren Heimvorteil (die Englaender wurden trotz einiger laut jubelnder hartnaeckiger Fans vom Stadion ausgebuht) siegten die neuseelaendischen All Blacks gegen die Tommys mit 37:20 Punkten. Die neuseelaendischen Zeitungen strotzen vor Nationalstolz und ich muss hier jetzt mal einen Auszug aus dem NZ Herald bringen:

“All week, England talked themselves up while offering plenty of opinion on where New Zealand rugby was going wrong and then, wham – they hit an All Black side that rammed reality pills down their throats. No side has ever talked their way to victory in New Zealand. When it came down it, England couldn’t match the relentless physicality of the All Blacks at the breakdown. They couldn’t handle the power of the All Black scrum and if you don’t bring a backline out here, you’re stuffed.

What England quite clearly forgot is that rugby is in this blood of this nation. That blokes out here have to be able to play to get a game and if all you have, as England seemingly do, is some big lugs in the forwards and some non-tackling extras in the backs, then you get torn to shreds.”

Dazu braucht man nichts mehr zu sagen. Allerdings: so brutal das Spiel auch ist und so viel Leidenschaft und Herzensblut die Neuseelaender auch in ihren Nationalsport liegen, die Fans und Spieler zeigten (zumindest gestern) keinerlei Aggressionen gegeneinander. Ganz im Gegenteil: die sich klar in der Minderheit befindenden englischen Fans sitzen munter neben den All Blacks Anhaengern und bruellten sich die Kehle aus dem Leib, waehrend sie gleichzeitig mit den “Gegnern” zum Bierchen anstießen.

Aber ich fange von vorne an. Das Spiel fand statt im Eden Park, das Stadion liegt ca. 5 km von unserer Wohnung entfernt und deshalb haben wir uns entschieden, zu Fuss hin zu gehen. Das war auch eine gute Entscheidung, denn im Angesicht der Massen an Menschen, die zu dem Spiel kamen, waren die Busse und Bahnen auch gerammelt von. Eigentlich war das Stadion an sich gar nicht so gross und mit den Dimensionen eines Rheinruhr Stadions kann es keinenfalls mithalten. Vielleicht sind es aber einfach die im Vergleich zu Deutschland schlechter ausgebauten oeffentlichen Verkehrswege, die verursachten, dass sich die Menschenmassen vor dem Stadion knubbelten. Das Stadion selbst liegt am Rande eines kleinen Parks und drumherum gibt es lauter Pubs, Bars, Kneipen, Restaurants, Liquor Stores, in denen sich die Fans auf das kommende Spektakel einstimmten. Peter hatte anfangs eigentlich nicht so viel Lust, aber angesichts der Begeisterung rundherum und meiner Aufregung hat es ihn dann auch gepackt. Erst recht, als wir unseren Block betraten und feststellten, dass wir richtig tolle Sitzplaetze hatten: zwar in einer Kurve, aber dafuer ganz vorne, so dass wir das Spiel hautnah erleben konnten. Leider waren diese Plaetze nicht ueberdacht und es fing natuerlich immer wieder zwischendurch an zu nieseln. Zusammen mit dem Wind, der von rechts hinten reinzog war mir Zitterbacke ganz schoen kalt. Ich haette aber dennoch die Plaetze nicht tauschen wollen! Der einzige wirkliche Haken an der Sache war: hinter uns hat sich eine Gruppe von 6 deutschen Maedels gesetzt, die die ganze Zeit dummgeschwaetzt haben. Normalerweise stoert sowas ja nur Peter (ich kann das alles bestens ausblenden), aber dieses Ausnamass an schaebigen, daemlichen und primitiven Auesserungen (a la: “dumm fickt gut”, “gestern musste ich 3 mal kotzen”…) haben selbst mich gestoert. Zumal sie sich nachher noch lauthals ueber den neuseelaendischen Akzent lustig gemacht haben. Kein feiner Zug.

Aber wieder zurueck zum Spiel und Geschehen. Weil wir auf keinen Fall zu spaet ankommen wollten, sassen Peter und ich fast 1,5 Stunden vorher am Platz. Langeweile kam nicht auf, denn bereits 1 Stunde vorher fingen die Manschaften an, sich aufzuwaermen und einzuspielen. Es ist unglaublich, was fuer Kanten diese Rugbyspieler sind! Die Muskelpakete an Armen, Hals und Beinen kommen beim Spiel auch echt eindrucksvoll zum Einsatz, wenn die Jungs sich zum scrum oder ruck zusammendraengeln, uebereinanderwerfen und versuchen, den Gegner nach hinten zu schieben. Oder wenn es jemandem gelungen ist mit dem Rugby-Ei durch die feindliche Abwehr zu gelangen und mit einer wahnsinnigen Wucht sprintet.

Vor dem Anpfiff wurde zunaechst das Publikum unterhalten, indem zwei als Ritter verkleidete Gruppen ins Stadion einliefen und den bevorstehenden Kampf symbolisierten. Untertuetzt durch Feuergeschosse und viel Rauch, zeigten uns die Ritter einen Schaukampf, der selbstverstaendlich von den Rittern der AllBlacks gewonnen wurde :) Ich haenge nachher einige Fotos davon an. Als dann anschliessend die Manschaften ins Stadion liefen und die Nationalhymnen gesungen wurden, kam endlich der lang ersehnte Haka Tanz, den die neuseelaendischen Spieler selbst auffuehrten. Zwar konnten wir von unserem Platz aus nur die Ruecken sehen, aber das ganze wurde auf 2 Leinwaenden auch in Großaufnahme gezeigt. Wen es interessiert, hier ein youTube Video von einem Haka Tanz:

Das Spiel selbst verlief ja recht eindeutig. Anfangs fuehrten kurz die Englaender, doch danach holten die AllBlacks auf und bereits zur Halbzeit, nach 40 Minuten, lagen die Neuseelaender weit in Fuehrung. Es war toll, das Spiel zu sehen und Peter und ich wollen auf jeden Fall nochmal zu einem Spiel gehen. Das naechste angekuendigte Spiel findet im August statt, dann spielen die Neuseelaender gegen Australien. Mal sehen, ob wir uns direkt dafuer Karten holen werden :) Hier jedenfalls ein paar der Fotos, die wir gestern abend geschossen haben.

Den Rueckweg sind Peter und ich wieder zu Fuss angetreten und kurz vorm Eintritt ins City Gebiet durften wir nochmals einige Rugbyspieler sehen (Peter meint, es seien nur englische Spieler, aber ich meine auch den Captain der AllBlacks erkannt zu haben). Die sind naemlich in den lokalen Edel-Stripladen, das “White House” gegangen und haben sich anscheinend die sportlichen Leistungen der Damen dort angeschaut :)

Peter und ich haben den Abend dann noch gemutelich mit Pizza und Bier ausklingen lassen. Dabei haben wir die Uebertragung der zweiten Halbzeit auf einem lokalen Fernsehsender angeschaut und versucht, uns im Publikum ausfindig zu machen. Alles in allem ein rundum schoener Samstag!

4 Comments

  • Angelika says:

    Hi Maren, tolle Berichterstattung; ich glaube du hast den falschen Beruf gewählt!! Habe mir gerade mit den Kindern den Haka Tanz angesehen, ist ja ein ganz schönes Spektakel!! Schöne Woche und Grüße an meinen Bruder! Angelika

  • Michael says:

    Hey leev lück
    watt onserm Schang dat Spill met demm Ledda (Fußball) es, dat es demm Oakländer sing Rackbie. Nur dat dat Ledda do nit rischtisch ronnd es (äver ovaal) un desshalf Pille heeß. Do kamm mer och nur na hinge affjewe, hann isch me saare losse. Komisch Spill dat Rackbie, äver do es wool richtisch watt bei gebacke. Un dat met demm Haka-Haka, dat mössen se he och enns liere. Sitt janz joot us.
    Me märkt och, dat et üch Spaass jemaat hät. He (in Bonn) es hück (Sonndaach) och vill loss (Bonn-Triathlon met demm Eirenmään-Jewinna un dat 3. Spill der Telekom-Baskets jejen Alba Berlin. Do jeet et och om jett (Deutsche Meisterschaft).
    En schööne woch für üch. Grööß mihr de leve pitter.
    Michael

  • Marc says:

    Sieht ja sehr nett aus! Und wann kann man Euch dann mal live im Spiel sehen? Wo die Maren doch Karate kann, sollte Rugby doch wohl ein Kinderspiel sein, oder? ;-) Das Ritterspiel ist ja auch nicht schlecht … zumal das Mittelalter wohl ja auch ziemlich in Neuseeland gewütet hat ;-)

    Aber schön, dass Ihr Neuseeland genießt! Ich warte ja immer noch auf Photos von dem KiWi-Plantagenbesuch und der Koalabär-Safari …

    Bis dann!

  • Inga says:

    Huhu nach Neuseeland,

    Mensch, das sieht ja so aus als ob Ihr eine richtige Schlacht besucht hättet…Peter paast sich von seinem Outfit auf den ersten Blick ja ganz gut an;)….

    Ich wünsche Euch weiter eine tolle Zeit und gaaaanz viel Spaß,

    Eure Inga

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